Ratgeber · 9 Min. Lesezeit
Haushaltskosten teilen: vier Modelle – und die eine Regel, ohne die keines funktioniert
Der Streit geht nie wirklich um den Prozentsatz. Er geht darum, dass niemand aufgeschrieben hat, wer was bezahlt hat. Vier Aufteilungsmodelle – und die Buchführung, die sie überleben lässt.
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Zwei Menschen teilen sich eine Wohnung und eine Reihe von Rechnungen. Keiner will den anderen übervorteilen. Und trotzdem gibt es irgendwann im vierten Monat ein Gespräch, das mit „ich habe das Gefühl, ich zahle hier mehr als du“ beginnt. Wer das sagt, hat mit dem Gefühl meistens recht und mit der Zahl unrecht — weil niemand etwas aufgeschrieben hat.
Gemeinsame Kosten zu teilen ist kein Rechenproblem. Die Rechnung dauert vier Minuten. Es ist ein Buchführungsproblem im Kostüm eines Rechenproblems. Hier sind die Modelle, die funktionieren, die Zahlen dahinter und die wenigen Regeln, die verhindern, dass daraus eine monatliche Verhandlung wird.
Erst klären, was gemeinsam ist – dann, wie geteilt wird
Die meisten Konflikte drehen sich um den Umfang, nicht um Prozente. Für die eine Person ist das gute Olivenöl eine Haushaltsausgabe, für die andere eine persönliche Vorliebe, die zu zweit finanziert wird. Klärt das einmal, schriftlich, und alles danach wird leichter.
- Eindeutig gemeinsam: Kaltmiete, Nebenkosten, Strom, Internet, Rundfunkbeitrag, Hausratversicherung, Putzmittel, gemeinsame Möbel, der Grundeinkauf.
- Eindeutig persönlich: dein Handyvertrag, deine Kleidung, deine Abos, dein Kaffee, dein Fitnessstudio, dein Auto, wenn nur du fährst.
- Umstritten: Alkohol, Lieferessen, Übernachtungsgäste, der teure Supermarkt, Haustiere, ein Auto, das eine Person viel häufiger nutzt, ein Streamingdienst, den nur eine schaut.
Für die dritte Liste legt jetzt eine Regel fest, nicht jedes Mal neu. Zwei Regeln funktionieren: entweder es ist gemeinsam und niemand kommentiert es je wieder, oder es ist persönlich und wer es will, zahlt es. Was nicht funktioniert, ist die Einzelfallentscheidung, denn dann wird jeder Einkaufswagen zur Verhandlung.
Ein deutscher Sonderfall, der oft doppelt bezahlt wird: Der Rundfunkbeitrag fällt einmal pro Wohnung an, nicht pro Person. Wer aus einer eigenen Wohnung zusammenzieht, muss den zweiten Beitrag aktiv abmelden — sonst läuft er weiter.
Vier Wege, die Summe zu teilen
1. Halbe-halbe
Gemeinsame Kosten addieren, durch zwei teilen. Schnell und leicht nachprüfbar, und wirklich fair, wenn beide Einkommen nah beieinanderliegen. Die Schwäche zeigt sich, sobald sie es nicht sind: Ein gleicher Anteil an einem festen Betrag reißt beim kleineren Gehalt ein deutlich größeres Loch — sichtbar daran, dass eine Person nie etwas sparen kann.
2. Nach Einkommen
Jede Person zahlt den Anteil der Kosten, der ihrem Anteil am gemeinsamen Einkommen entspricht. So bleibt bei beiden derselbe Prozentsatz des Netto übrig — das ist die Version von Fairness, die die meisten Paare meinen, wenn sie das Wort benutzen.
3. Gleich viel übrig
Die strengere Variante: Nicht die Prozentsätze werden angeglichen, sondern das, was jedem nach den gemeinsamen Kosten bleibt. Das ist das umverteilendste Modell und sinnvoll, wenn der Haushalt wirklich als eine Einheit wirtschaftet; in einer WG ist es kaum vermittelbar, und der höhere Verdienst zahlt schnell das Drei- bis Vierfache.
4. Posten aufteilen
Du nimmst die Miete, ich nehme Lebensmittel und Nebenkosten. Keine monatliche Rechnerei, das ist der ganze Reiz. Die Gefahr ist die Verschiebung: Miete ist fix, Lebensmittel sind es nicht, also ist eine im Januar ausgeglichene Aufteilung im Juni schief. Wer so teilt, sollte die Summen halbjährlich nachrechnen.
Derselbe Monat, vier Mal gerechnet
Zwei Personen mit 2.600 € und 1.700 € netto. Gemeinsame Kosten: 1.750 € im Monat — 1.150 € Warmmiete, 200 € Strom und Internet, 400 € Lebensmittel und Haushalt.
- Halbe-halbe: je 875 €. Das sind 34% des größeren und 51% des kleineren Einkommens.
- Nach Einkommen: gemeinsam 4.300 €, also 60,5% und 39,5% — 1.059 € und 691 €. Jeder behält 59,3% des eigenen Netto.
- Gleich viel übrig: 4.300 € minus 1.750 € sind 2.550 €, also je 1.275 €. Die Beiträge werden 1.325 € und 425 €.
- Posten aufteilen: eine Person nimmt die 1.150 € Miete, die andere die 600 € für Strom, Internet und Essen — eine Lücke von 550 €, die niemand gewählt hat und die auffällt, sobald jemand nachrechnet.
Sieh dir die Spannweite an: Die Person mit dem kleineren Einkommen zahlt für denselben Monat 875 €, 691 € oder 425 €, je nach Modell. Deshalb muss es einmal ausgesprochen und festgelegt werden, statt stillschweigend angenommen.
WG: die Zimmer sind nicht gleich groß
In einer WG scheidet die Aufteilung nach Einkommen meist aus: Man legt sein Gehalt nicht gegenüber jemandem offen, den man über ein Anzeigenportal gefunden hat. Aber die gleiche Teilung hat ihre eigene Ungerechtigkeit, weil ein Zimmer zum Hof zeigt und ein anderes neben der Heizung liegt.
Praktikabel ist: Miete nach Quadratmetern, alles andere zu gleichen Teilen. Drei Zimmer mit 18, 14 und 10 Quadratmetern bei 1.400 € Kaltmiete ergeben 583 €, 454 € und 324 €. Strom, Internet und Putzmittel bleiben Drittel, weil die Küche von allen gleich genutzt wird.
Wichtig bei einem gemeinsamen Mietvertrag: In der Regel haftet jede Person gesamtschuldnerisch für die volle Miete. Wer intern nach Zimmergröße teilt, ändert nichts daran, was der Vermieter von jedem Einzelnen fordern kann — ein Grund mehr, die interne Aufteilung schriftlich zu haben.
Der eigentliche Fehler: niemand führt die Liste
Welches Modell auch gewählt wird, dasselbe geht schief. Echte Haushalte zahlen Rechnungen nicht in sauberen Hälften. Die Karte einer Person hängt am Stromvertrag, die andere macht den Großeinkauf, jemand hat sonntags 280 € für einen Notdienst vorgelegt. Am Monatsende existiert ein Geflecht aus Wer-schuldet-wem, gehalten von zwei Erinnerungen — und Erinnerung ist zuverlässig zugunsten der eigenen Zahlungen verzerrt.
- Zahlung am selben Tag eintragen, mit Betrag, Datum und Zahler. Eine drei Wochen später erfasste Zahlung ist eine Zahlung, die jemand bestreitet.
- Eine Liste, nicht zwei. Zwei private Listen gleichen sich zu einem Streit ab.
- Beleg fotografieren ab einer gemeinsam vereinbarten Grenze. Fünfzig Euro ist eine sinnvolle Linie.
- An einem festen Tag im Monat ausgleichen — der Tag nach beiden Gehaltseingängen funktioniert am besten.
- In einer Überweisung ausgleichen, nicht in sieben. Alles auf eine Zahl saldieren und einmal überweisen.
Ein gemeinsames Konto schlägt jede Strichliste
Wenn möglich, vermeidet die Strichliste ganz. Richtet ein Konto ein, von dem ausschließlich gemeinsame Kosten bezahlt werden, zahlt beide am Gehaltstag euren vereinbarten Beitrag ein und lasst jede gemeinsame Rechnung per Lastschrift von dort abgehen.
Damit ändert sich die Frage von „was schuldest du mir?“, einer Frage über einen Menschen, zu „ist genug auf dem Konto?“, einer Frage über einen Kontostand. Der Auszug ist dann die ganze Geschichte.
Legt die Beiträge etwa 10% über den durchschnittlichen Monatskosten fest, damit das Konto einen teuren Monat abfedert. Bei 1.750 € gemeinsamen Kosten zahlt ihr zusammen 1.925 € ein und lasst den Puffer wachsen. Ist er komfortabel, senkt lieber die Beiträge, statt den Überschuss auszugeben.
Was eine faire Aufteilung still aus dem Gleichgewicht bringt
- Jahresrechnungen. Eine einmal jährlich von einer Person gezahlte Hausratversicherung sind zwölf Monate, in denen diese Person in Vorleistung ist. Durch zwölf teilen oder vom gemeinsamen Konto zahlen.
- Unbezahlte Arbeit. Wer einkauft, kocht und dem Internetanbieter hinterhertelefoniert, trägt real etwas bei, das in keiner Zahl auftaucht.
- Cashback und Punkte. Punkte, die auf gemeinsame Ausgaben über eine Karte laufen, sind gemeinsames Guthaben.
- Gäste. Eine Partnerin oder ein Partner, die vier Nächte pro Woche da sind, verbrauchen Heizung und Warmwasser wie eine dritte Person.
- Kaution und einmalige Möbel. Klärt beim Kauf, wem was gehört — nicht erst, wenn jemand auszieht.
Die Überprüfung, die fünfzehn Minuten dauert
Zweimal im Jahr setzt euch mit der Liste hin und prüft drei Dinge: ob die Summen noch zu dem passen, was vereinbart war, ob sich ein Einkommen so verändert hat, dass sich das Verhältnis ändern müsste, und ob etwas von der umstrittenen Liste stillschweigend die Kategorie gewechselt hat.
Diese Überprüfung dauert nur dann fünfzehn Minuten, wenn die gemeinsamen Ausgaben erfasst wurden, als sie passierten. Sonst ist es ein Abend voller Kontoauszüge — weshalb sie nie stattfindet und stattdessen der Groll wächst.
Unsere App ist genau dafür gemacht: Das gemeinsame Konto steht neben deinem eigenen, ein fotografierter Supermarktbeleg erfasst die Ausgabe ohne Tippen, und was eine Person vorgelegt hat, landet als Forderung pro Person im Schuldentracker, deren Saldo sich mit den Rückzahlungen schließt. Die Zahl, die ihr am Monatsende braucht, steht dann schon da.
Keines der vier Modelle ist im luftleeren Raum richtig. Wählt das, das dazu passt, wie ihr den Haushalt wirklich denkt, schreibt es auf, haltet die Aufzeichnung ehrlich und schaut zweimal im Jahr darauf. Die Formel ist der kleine Teil. Die Aufzeichnung ist das Ganze.
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