Personal Accounting

Ratgeber · 10 Min. Lesezeit

Fixkosten senken: die neun Posten, bei denen es wirklich etwas bringt

Beim Einkaufen zu sparen kostet dich jede Woche eine neue Entscheidung. Fixkosten senkst du einmal – und der Effekt läuft zwölf Monate weiter. Die Posten mit dem größten Hebel, in der richtigen Reihenfolge.

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Es gibt zwei Arten von Ausgaben, und sie verhalten sich völlig unterschiedlich. Variable Ausgaben verlangen jeden Monat neue Entscheidungen: Essengehen, Kleidung, der zweite Kaffee. Fixkosten hast du genau einmal entschieden, oft vor Jahren, und seitdem gehen sie per Dauerauftrag oder Lastschrift ab, ohne dich noch einmal zu fragen.

Deshalb ist die Rechnung so schief. Wer 30 € im Monat im Supermarkt spart, führt dieses Gefecht 52 Wochen im Jahr neu. Wer einen Mobilfunkvertrag um 30 € senkt, hat 360 € im Jahr gespart und muss danach nichts mehr tun. Trotzdem beginnen fast alle Sparversuche bei den Lebensmitteln – weil man dort etwas fühlt, während ein Vertragswechsel sich nach Verwaltung anfühlt.

Dieser Text ist eine Anleitung für ein Wochenende. Am Ende hast du eine Liste, in der jeder wiederkehrende Betrag deines Haushalts steht, und bei drei bis fünf Zeilen davon einen Kündigungs- oder Wechseltermin im Kalender.

Erst die Liste – und zwar aus dem Kontoauszug, nicht aus dem Gedächtnis

Fast alle unterschätzen ihre Fixkosten, weil sie an Miete, Strom und Handy denken und dort aufhören. Der Rest verschwindet in Beträgen, die vierteljährlich oder jährlich abgehen und deshalb nie im Monatsgefühl auftauchen. Nimm dir die Umsätze deines Girokontos der letzten zwölf Monate vor, nicht der letzten vier Wochen – sonst fehlen genau die Posten, die einmal im Jahr wehtun. Sortier sie in sechs Blöcke:

  • Wohnen: Miete oder Kreditrate, Nebenkostenvorauszahlung, Strom, Gas, Rundfunkbeitrag
  • Kommunikation: Internet, Mobilfunk, Cloud-Speicher
  • Versicherungen: Haftpflicht, Hausrat, Kfz, Berufsunfähigkeit, Rechtsschutz, Zusatzpolicen
  • Mobilität: Deutschlandticket oder Monatskarte, Kfz-Steuer, Leasing- oder Finanzierungsrate, Stellplatz
  • Mitgliedschaften und Abos: Fitnessstudio, Streaming, Zeitung, Verein, Spiele- und App-Abos aus dem Store
  • Bank und Kredite: Kontoführung, Kreditkartenjahresgebühr, Ratenzahlungen, Dispozinsen

Ein realistisches Beispiel für einen Zweipersonenhaushalt mit 3.000 € Netto: 1.050 € Warmmiete, 45 € Strom, 40 € Internet, 55 € für zwei Mobilfunkverträge, 18,36 € Rundfunkbeitrag, 22 € Haftpflicht und Hausrat, 75 € Kfz-Versicherung und -Steuer, 58 € Deutschlandticket, 35 € Fitnessstudio, 48 € für vier Streaming-Dienste, 5,90 € Kontoführung. Summe: rund 1.452 € – knapp die Hälfte des Nettos, und dafür war in diesem Monat keine einzige Entscheidung nötig.

Die neun Posten, sortiert nach Hebel

Arbeite die Liste von oben nach unten ab. Die Reihenfolge ist nicht willkürlich, sondern nach gesparten Euro pro investierter Stunde sortiert.

1. Die Nebenkostenabrechnung wirklich lesen

Der teuerste Brief des Jahres wird am flüchtigsten gelesen. Dein Vermieter muss die Abrechnung binnen zwölf Monaten nach Ende des Abrechnungszeitraums zustellen – danach kann er keine Nachzahlung mehr fordern. Und du hast nach Erhalt zwölf Monate Zeit, Einwendungen zu erheben, samt Recht auf Belegeinsicht.

Sieh nach, ob Verwaltungskosten, Reparaturen oder Instandhaltung mitgerechnet wurden – das sind keine umlagefähigen Betriebskosten. Prüf den Verteilerschlüssel und ob leerstehende Wohnungen mit einbezogen sind. Eine Stunde Lesen ist hier gut und gern ein paar hundert Euro wert, und der Effekt wiederholt sich, weil auch die monatliche Vorauszahlung sinkt.

2. Strom und Gas: raus aus der Grundversorgung

Wer nie gewechselt hat, ist beim Grundversorger, und der ist fast überall der teuerste Tarif am Markt. Du brauchst genau eine Zahl: den Jahresverbrauch in Kilowattstunden aus der letzten Jahresabrechnung. Ein Zweipersonenhaushalt liegt typischerweise bei 2.500 bis 3.000 kWh.

Der Wechsel ist verwaltungsarm, weil der neue Anbieter kündigt und ummeldet; aus der Grundversorgung kommst du mit zwei Wochen Frist heraus. Achte auf die Preisgarantie und rechne den Neukundenbonus heraus, damit du nicht nur den ersten Jahresrabatt vergleichst. Realistisch sind 150 bis 250 € im Jahr, im Beispiel also rund 15 € im Monat.

3. Mobilfunk und Internet nach der Mindestlaufzeit

Verträge sind nach 24 Monaten bezahlt, laufen aber zum alten Preis weiter, obwohl der Markt inzwischen mehr Datenvolumen für weniger Geld verkauft. Seit dem 1. März 2022 geschlossene Verträge dürfen sich nur so verlängern, dass du danach mit einem Monat Frist kündigst – bei älteren gilt oft noch drei Monate zum Laufzeitende.

Praktischer Ablauf: kündigen, nicht verhandeln. Die Rückholangebote kommen erst, wenn die Kündigung im System liegt, und sie sind meist besser als alles, was die Hotline vorher anbietet. Zwei Verträge von je 27,50 € auf je 12,50 € zu bringen, ist keine Kunst: 30 € im Monat.

4. Versicherungen: drei behalten, den Rest hinterfragen

Unverzichtbar sind Privathaftpflicht, Berufsunfähigkeit und – wenn du ein Auto hast – die Kfz-Haftpflicht. Die Berufsunfähigkeit ist der Vertrag, den man am ehesten kündigt und am bittersten vermisst; lass sie in Ruhe. Sparen lässt sich fast immer bei Handy- und Brillenversicherung, Reisegepäck, Sterbegeld und beim doppelt vorhandenen Rechtsschutz, den viele über Verein oder Automobilclub schon mitbezahlen.

Bei der Kfz-Versicherung sind zwei Dinge Geld wert: der Wechseltermin – Stichtag ist in der Regel der 30. November für das Folgejahr – und die Zahlweise. Monatliche Raten kosten je nach Versicherer drei bis fünf Prozent Zuschlag. Wer den Jahresbeitrag auf einmal zahlt, spart diesen Aufschlag ohne jeden Leistungsverzicht.

5. Abos: der Posten, der still wächst

Vier Streaming-Dienste für 48 € hat niemand bewusst entschieden – sie sind nacheinander für eine Serie dazugekommen und danach nie gegangen. Die ehrliche Frage ist nicht, ob du den Dienst magst, sondern wann du ihn zuletzt geöffnet hast.

Die wirksamste Regel ist Rotation: ein Dienst zur Zeit, monatlich kündbar, und wenn die Serie durch ist, wechselst du. Aus 48 € werden 12 €. Vergiss die Abos nicht, die über den App-Store laufen – sie erscheinen auf dem Kontoauszug nur als Sammelbuchung und stehen in den Einstellungen deines Telefons, nicht auf der Website des Anbieters. Bei online abgeschlossenen Verträgen muss es seit Juli 2022 einen Kündigungsbutton auf der Website geben; du musst niemanden anrufen.

6. Mobilität

Rechne nach, statt zu schätzen: Das Deutschlandticket lohnt ab etwa zwei Fahrten pro Woche, darunter sind Einzeltickets günstiger. Der teurere Fall ist das Zweitauto, das an fünf von sieben Tagen steht. Versicherung, Steuer, Stellplatz, Wartung und Wertverlust ergeben schnell 200 € im Monat für ein Fahrzeug, das du an vielleicht dreißig Tagen im Jahr wirklich brauchst – und dreißig Mietwagentage sind billiger.

7. Girokonto und Dispo

Kontoführungsgebühren sind der am leichtesten vermeidbare Fixkostenposten überhaupt: 5,90 € im Monat sind 70,80 € im Jahr für eine Leistung, die andere Banken zu 0 € anbieten. Deutlich teurer ist der dauerhaft ausgeschöpfte Dispo. 1.000 € im Minus bei 11 Prozent kosten 110 € im Jahr, ohne dass ein Cent davon Schulden abbaut. Wenn der Dispo bei dir Dauerzustand ist, ist die Umschuldung in einen Ratenkredit oder ein konsequenter Abbauplan der größere Hebel als jeder Vertragswechsel.

8. Fitnessstudio und Mitgliedschaften

Nicht nach Absicht bewerten, nach Besuchen. Zähl die letzten drei Monate: Bei sechs Besuchen kostet dich das Studio 17,50 € pro Training, und eine Zehnerkarte im Schwimmbad wäre die ehrlichere Lösung. Achtung bei Kündigungsfristen – bei Fitnessverträgen ist das Fristversäumnis der Klassiker, der ein weiteres Jahr kostet.

9. Ratenzahlungen und Finanzierungen

Null-Prozent-Finanzierungen für Möbel, Fahrrad oder Telefon sind Fixkosten mit Enddatum, und genau dieses Datum kennen die meisten nicht. Schreib zu jeder Rate die Zahl der Restmonate. Das ist zweimal nützlich: Du siehst, wie viel Luft in welchem Monat frei wird, und du hörst auf, ein Gerät im Vertrag zu finanzieren, weil separat gekauftes Telefon plus günstiger SIM-Tarif über 24 Monate fast immer billiger ist.

Kündigungsfristen sind der eigentliche Grund, warum Fixkosten so lange überleben. Trag jeden Termin sofort in den Kalender – mit Erinnerung zwei Wochen vor dem letzten möglichen Tag, nicht am Tag selbst. Eine verpasste Frist verlängert einen Vertrag, der dir nichts mehr bringt, um bis zu zwölf Monate.

Was das zusammen ergibt

Im Beispiel: 15 € beim Strom, 30 € beim Mobilfunk, 36 € bei den Streaming-Diensten, 35 € beim ungenutzten Studio, 5,90 € Kontoführung. Zusammen 121,90 € im Monat, also rund 1.460 € im Jahr. Die Fixkosten fallen von 1.452 € auf etwa 1.330 €, die Fixkostenquote von 48 auf 44 Prozent des Nettos.

Zum Vergleich, was dieselbe Summe an der Kasse bedeutet: 1.460 € im Jahr sind 28 € pro Woche, die du ein Jahr lang jede Woche anders einkaufen müsstest. Die Vertragsvariante war ein Wochenende Arbeit. Das ist der ganze Punkt.

Damit es nicht zurückkriecht

  1. Setz die gesparte Summe am Tag nach dem Gehaltseingang als Dauerauftrag auf ein Tagesgeldkonto. Nicht weggebuchtes Geld ist binnen zwei Monaten unsichtbar verbraucht.
  2. Führ eine Fixkostenliste mit Fälligkeitstag und Restlaufzeit, nicht nur mit Betrag.
  3. Prüf die Liste einmal im Jahr, am besten im Oktober – dann bleibt Zeit für den Kfz-Wechsel bis Ende November.
  4. Nimm keine neue Fixkostenzeile auf, ohne eine alte anzusehen. Jedes Abo, das du hinzufügst, ist eine Entscheidung für die nächsten zwölf Monate.

Wenn du diese Liste nicht in einer Tabelle pflegen willst: In unserer App legst du jeden Posten als wiederkehrende Buchung mit Fälligkeitstag an, wirst vor der Abbuchung erinnert und siehst im Monatsbericht deine Fixkostenquote als eine Zahl. Die Jahresrechnung von Strom oder Versicherung fotografierst du einmal ab, Betrag und Datum liest die KI selbst heraus.

Der Reiz an Fixkosten ist, dass die Arbeit endlich ist. Ein Wochenende, ein paar Telefonate, drei Kündigungen – und danach spart dein Haushalt jeden Monat weiter, ohne dass du an der Kasse noch an irgendetwas denken musst.

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