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Tipps · 9 Min. Lesezeit

Raus aus dem Dispo: was er wirklich kostet – und ein Plan in vier Schritten

Kein Vertrag, kein Tilgungsplan, keine Rechnung, die ihn Kredit nennt – nur ein Konto, das jeden Monat unter null startet. Genau deshalb überlebt der Dispo jede andere Schuld im Haushalt.

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Die meisten Schulden melden sich. Ein Ratenkredit hat einen Tilgungsplan, eine Kreditkarte eine Abrechnung, beide erinnern dich monatlich daran, dass du etwas schuldest. Der Dispo tut nichts davon. Es gibt kein Anfangs- und kein Enddatum, nur einen Kontostand, der jeden Monat unter null beginnt und am Gehaltstag auf etwas weniger unter null aufgefüllt wird.

Diese Unsichtbarkeit ist das eigentliche Problem. Haushalte, die niemals einen fünfjährigen Kredit zu zweistelligen Zinsen unterschreiben würden, hängen dauerhaft in einem Dispo, der ungefähr genauso teuer ist – weil er sich nie als Entscheidung gezeigt hat. Hier steht, was er kostet, und ein Plan, der ihn in Monaten statt Jahren beendet.

Was der Dispo wirklich kostet

Die Dispozinsen liegen bei den meisten Banken zwischen etwa 9 und 14 Prozent, bei einzelnen Instituten darüber. Ein Haushalt, der das ganze Jahr mit 1.500 € im Minus steht, zahlt bei 12 Prozent rund 180 € im Jahr, also 15 € im Monat – für nichts. Keine Ware, keine Leistung, und der Schuldenstand sinkt dabei um keinen Cent.

Noch teurer wird die geduldete Überziehung, also der Betrag über deinem eingeräumten Limit hinaus. Dafür verlangen viele Banken einen Aufschlag, und dazu kommen zurückgegebene Lastschriften – jede kostet Gebühr bei dir und oft eine zweite beim Gläubiger. Das ist der Mechanismus, der aus einer schlechten Woche ein schlechtes Quartal macht.

Wenn du deinen Dispo über sechs Monate hinweg ununterbrochen und in erheblicher Höhe nutzt, muss deine Bank dir von sich aus ein Beratungsgespräch über günstigere Alternativen anbieten (§ 504a BGB). Kommt kein Angebot, verlang es. Es kostet nichts und bringt dich in ein Gespräch, das sonst nie stattfindet.

Schritt 1: das Loch messen, nicht den Kontostand

Entscheidend ist nicht, was das Konto heute anzeigt, sondern wie tief du am Tag vor dem Gehaltseingang im Minus bist. Genau das ist die Größe des Lochs.

Nimm drei Monatsauszüge und notiere den Stand am Tag vor jedem Gehalt. Steht dort −1.430 €, −1.560 € und −1.490 €, ist dein Loch rund 1.500 € groß. Diese Zahl ist erstaunlich stabil – und das ist die gute Nachricht, denn ein stabiles Loch lässt sich einmal stopfen.

Schritt 2: erst den Kalender verschieben, dann sparen

Bevor du eine einzige Ausgabe kürzt, sieh dir die Termine an. Die meisten Dispos entstehen nicht durch zu hohe Ausgaben, sondern dadurch, dass alles am Monatsanfang abgeht, während das Geld am Ende des Vormonats kommt.

  1. Liste jede Lastschrift und jeden Dauerauftrag mit ihrem Abbuchungstag auf.
  2. Bitte jeden Anbieter, den Einzugstermin auf die Tage direkt nach dem Gehalt zu legen. Fast alle machen das: Strom, Mobilfunk, Versicherung, Studio, Streaming.
  3. Leg auch deine eigenen Daueraufträge, Sparraten eingeschlossen, auf den Tag nach dem Gehaltseingang.
  4. Bei Jahresbeiträgen – Versicherung, Kfz-Steuer, Mitgliedschaften – auf monatliche Zahlung umstellen oder den Fälligkeitsmonat in einen ruhigen Monat legen.

Das kostet nichts und verkleinert das Loch oft schon um ein Drittel. Du gibst nicht weniger aus – du hörst nur auf, dir drei Wochen im Monat Geld von der Bank zu leihen, um eine Lücke zu überbrücken, die nur im Kalender existiert.

Schritt 3: das Loch einmal stopfen

Hier liegt der klassische Denkfehler. 150 € zusätzlich aufs Konto zu zahlen gleicht keinen Dispo aus, weil diese 150 € im selben Monat wieder ausgegeben werden. Ein Dispo verschwindet durch einen einmaligen Betrag, der die Startlinie dauerhaft verschiebt, nicht durch monatliche Anstrengung.

Bei 1.500 € Loch heißt das: 150 € im Monat finden, die per Dauerauftrag am Gehaltstag auf ein separates Tagesgeldkonto gehen und dort nicht angerührt werden. Nach zehn Monaten gleichst du den Dispo in einer einzigen Überweisung aus. Und senke das eingeräumte Limit mit, sobald das Loch kleiner wird: Ein Limit, das du nicht erreichen kannst, ist ein Limit, in das du nicht zurückrutschst.

Woher die 150 € kommen

  • Aus den Dispozinsen selbst. Sobald das Minus weg ist, entfallen die 15 € im Monat – das letzte Stück des Wegs finanziert sich mit.
  • Aus Abos, die diesen Monat niemand entschieden hat. Ein Nachmittag Ausmisten bringt meist 40 bis 80 €.
  • Aus einem nachverhandelten Fixkostenposten: der Mobilfunkvertrag nach der Mindestlaufzeit, die Versicherung, die zu einem schlechteren Preis automatisch verlängert wurde.
  • Aus allem Unregelmäßigen: Steuererstattung, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, alte Mietkaution, etwas Verkauftes. Das wirkt am schnellsten, weil es direkt auf den Saldo geht.

Schritt 4: umschulden – aber richtig

Wenn das Loch groß ist, ist ein Ratenkredit fast immer billiger als der Dispo: Die Zinssätze liegen deutlich darunter, und du bekommst etwas, das der Dispo nie hatte – ein Enddatum. Ein Ratenkredit über 1.500 € mit 24 Monaten Laufzeit kostet dich einen Bruchteil dessen, was zwei Jahre Dispo kosten würden.

Der Umschuldung liegt aber eine Bedingung zugrunde, bei der es keinen Spielraum gibt: Das Dispolimit wird am selben Tag auf null gesetzt. Wer den Dispo mit einem Kredit ausgleicht und das Limit stehen lässt, hat nach einem Jahr beides. Frag außerdem nach kostenloser Sondertilgung, damit unregelmäßiges Geld den Kredit verkürzen kann.

Das minimale Dashboard

Du brauchst zwei Zahlen, einmal pro Woche geprüft: den Stand am Tag vor dem Gehalt – das Loch – und den Betrag, den du zum Ausgleichen zur Seite gelegt hast. Fällt die erste und steigt die zweite, funktioniert der Plan, egal was das Konto in der Monatsmitte anzeigt.

Diese beiden Zahlen ehrlich zu halten, ist genau die Aufgabe einer Ausgabenerfassung. In unserer App ergibt sich der Kontostand aus dem, was tatsächlich erfasst wurde, wiederkehrende Zahlungen legst du einmal mit Fälligkeitstag an und siehst den Abbuchungskalender auf einen Blick, und die Rücklage zum Ausgleichen läuft als eigenes Sparziel mit Fortschrittsbalken daneben.

Der Dispo ist die einzige Schuld, die nie um Rückzahlung bittet. Genau deshalb braucht sie ein Datum. Loch messen, Kalender verschieben, am Gehaltstag einen festen Betrag zur Seite legen, Limit mitsenken – neun bis zwölf Monate später beginnt der Monat bei null.

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